Barichara, San Gil, kolumbianischer Jahreswechsel

Barichara, San Gil, kolumbianischer Jahreswechsel

3. Januar 2024 0 Von Stefan Paschmann

Barichara ein malerisch, verträumtes Touristendörfchen hat uns in seinen Bann gezogen, vorallem wegen seines traumhaften, kostenlosen Stellplatzes am Dorfrand mit einem phänomenalen, unverstellten Ausblick auf die wunderschöne Landschaft. Allerdings war es heiß, sehr heiß, sodass an MTB fahren, wie geplant, nicht zu denken war. Vielleicht sind wir aber auch einfach zu träge geworden durch das rumsitzende Leben on the Road. Zu allem Übel (oder als weitere Ausrede fürs Faulsein), durchkreuzte ein auf Krawall und Angriff gebürsteter Bienenschwarm unsere Radelpläne. Schnell tauschten wir unsere Bikes gegen die  Badehose und kühlen Gemüt und Bienenstiche in irgendeinem Pool.

Und wie so oft auf unserem Weg nach Norden ein weiterer  Ortswechsel, weiter ging es nach San Gil. Ein verheißungsvoller Stellplatz, mit Naturpool und einer Bar in einer Höhle unter einem kleinen Wasserfall. Alles sah nach einem schattigen Plätzchen mit zwei freundlichen Hunde aus. Auf den ersten Blick ein Traum. Der Stellplatz entpuppen sich allerdings in der Nacht als Totalausfall… warum? Bereits um 16.00 Uhr nachmittags, begann das ohrenbetäubende, musikalische Einstimmen auf die rauschende PartyNacht. Die sechs bis acht kolumbianischen Gäste waren textfest und hielten einiges aus und vorfallem lange durch – wahrscheinlich war viel Alkohol im Spiel. Wir beide waren völlig genervt. Verzweifelt und leider vergebens suchte ich nach meinen Oropax, wenn man die Dinger dringend braucht sind se’ nich da… ziemlich gerädert suchte wir am nächsten Morgen rasch das Weite.

Das “Weite” fanden wir in “La Maravilla” einem der unzähligen Balnearios (eine Art öffentliches Freibad) mit einem Stellplatz. Das braune Wasser des Freibades hatte zumindest einen kühlenden Effekt. Die folgende Nacht war leider ähnlich schlaflos, denn das Freibad lag offensichtlich an der Hauptstraße, die sich durch die Berge schlängelt, auf der Nachts der LKW -Verkehr von und nach Bogota nicht abriß. Wir sind ja mit dem zischen und fauchen der LKW-Motorbremsen durchaus vertraut, aber Überholungshupen, Lichtorgeln und Weihnachtsbeleuchtung, bei denen jeder Beleuchtungstechniker blass würde und ab und zu rollende soundanlagen, die auch locker ein ganzes Stadion beschallen, das ist schon ne andere Herausforderung. Zuwischendurch sorgten dann auch noch die Mücken für juckende Abwechselung. Wir freuen uns mal wieder auf eine geruhsame Nacht … hoffentlich irgendwann nach Sylvester.

Sylvester steht vor der Tür und wir haben weder Kracher noch Raketen noch Wunderkerzen oder Blei zum Bleigießen. Kracher und Raketen kommen uns sowieso nicht in den Lieblingslaster (Tier- und Menschenschutz).
Mal schauen,  wie in Kolumbien der Jahreswechsel begangen wird? In jedem Fall schwitzen die Kolumbianer*innen gewaltig an Sylvester und wir leider auch.

Wenn um Mitternacht die Glocken zu läuten beginnen, werden 12 Trauben gegessen. Diese stehen für die 12 Monate des kommenden Jahres und mit jeder Traube kannst du dir für jeden Monat etwas wünschen. Aber nicht alle auf einmal essen, damit die Wünsche hinterher kommen. Diese Art der Mäßigung fällt mir ja nicht leicht, einfach zu gerne habe ich den ganzen Mund voll mit leckerem.

In Kolumbien werden zu Silvester lebensgroße Puppen gebastelt. Gefüllt werden die Puppen mit Stroh, Feuerwerkskörpern und Zetteln, auf denen du all deine Sorgen schreiben kannst. Um Mitternacht werden die Puppen dann angezündet, um alles Schlechte zu verbrennen und in ein gutes neues Jahr zu starten. Das hat Ähnlichkeiten mit dem Nubbel verbrennen, einem Kölner Karnevalsbrauch, bei dem in der Nacht zu Aschermittwoch, dem Nubbel alle Karnevalssünden angelastet und dann beim verbrennen gelöscht werden. Wie sich doch alles ähnelt!

Jeder und jede, der/die an Silvester gelbe Unterwäsche trägt, wird im kommenden Jahr viel Glück erfahren und ausreichend Geld haben. Manche bevorzugen rote Unterwäsche, weil sie Glück in der Liebe haben wollen. Und grüne Unterwäsche steht wahrscheinlich für die Hoffnung auf beides.

Wer um Mitternacht mit dem Koffer einmal um das Haus läuft, wird im kommenden Jahr viele Reisen unternehmen.  Das wäre was für uns. Hoffentlich ist es nicht entscheidend, ob es das eigene Haus es ist?  Bestimmt kann auch unser Lieblingslaster mit dem Rucksack umrundet werden.

Wenn du deine Hosentaschen mit Geld und Linsen vollgefüllt hast, wirst du im kommenden Jahr keine finanziellen Sorgen und immer genug zu Essen haben. Nur Münzen oder auch Scheine? Geld und Linsen gemischt, oder rechte Tasche Geld, linke Tasche Linsen oder umgekehrt  – wie jetzt? Ich steh nicht so auf komplizierte rituelle Handlungen.

Zu Silvester nimmt man 3 Kartoffeln: eine wird ganz geschält, eine halb geschält und eine gar nicht geschält. Diese drei Kartoffeln legt man dann unter das Bett. Am nächsten Tag musst du beim Aufstehen mit der Hand unter das Bett fahren und eine Kartoffel blind herausziehen. Ziehst du die geschälte Kartoffel heraus, wirst du Pech im kommenden Jahr haben. Holst du die halb-geschälte unter dem Bett hervor, wird dein Jahr durchschnittlich verlaufen. Findest du aber die ungeschälte Kartoffel, steht Dir ein Jahr voller Glück und Freude bevor. Aber vorher die Wollmäuse unter dem Bett entfernen und die Kartoffeln nicht unter dem Bett vergessen… 😉

Bleigießen war gestern … der Jahreswechsel war eine Katastrophe: wir standen sicher und gut geschützt auf einem handtuchgroßen Hinterhof eines Hotels. Es waren Nachts knapp vierzig Grad, zumindest im Lieblingslaster und von vier Seiten wurden wir mit unterschiedlicher kolumbianischen Musik in ohrenbetäubender Weise beschallt. Ein Metal Konzert ist nichts dagegen. Mit dem Sylvesterknallen war die Katastrophe dann nicht zu Ende, die Tortur dauerte bis zum Morgen. An schlafen war nicht zu denken. Mitfeiern wollten wir nicht, denn wie bei uns in Deutschland wird in Kolumbien sehr sehr viel Alkohol getrunken.

Hier wie immer die Fotos zum Jahreswechsel und ein Rezept:
“Chocololo”  oder auch Arepas de Chocol:

Arepas sind fester Bestandteil der kolumbianischen Küche.
Sie sind doppelt so dick wie ein  Reibekucken und  meist mit Käse gefüllt, der dann im Teig schmilzt.

ZUBEREITUNGSZEIT 30 Minute
Küchenutensilien: Pürierstab
– 285 g Mais aus der Dose/Glas oder frischer Mais
– 100 g Maismehl Harina  PAN
– 2 geh. Eßlöffel geschmolzende Margarine  für den Teig
– 1 geh. Eßlöffel Margarine/Öl zum Anbraten
– 2 Esslöffel Rohrzucker
– Ein Teelöffel Salz
– Käse nach belieben